Die ”Eisenbahn” in den Medien

16.10.2012 Rhein-Neckar-Zeitung

Schnaps gebrannt wie anno 1770
In der wohl ältesten Brennerei des Landkreises waren erfahrene Brennmeister am Werk

Neckarelz.  Zur Erhaltung der Brennlizenz lud "Schlaraffe" Dr. Karsten Weber am Samstag die Mitglieder der "Junkertafel am Odinwald" zum Birnenbrand-Brennen wie "anno dazumal". Die wahrscheinlich älteste, funktionierende und mit Brennrecht noch versehene Kleinbrennerei des Neckar­Odenwald-Kreises befindet sich innerhalb des früheren Gasthofs "Zum goldenen Anker" in Neckarelz, nahe am Neckar. Wie Gastgeber Dr. Karsten Weber ausführte, hat ein Korse namens  Michaeli das Haus 1729 erbaut. Dieser stand, so Weber, im Dienst des Kurfürsten bei Rhein. Michaeli pflegte Geschäftsbeziehungen zu holländischen Holzhändlern, deren Flößer bei  ihm an der alten Elz­ mündung in den Neckar zu übernachten pflegten. Noch aus jener Zeit, etwa 1770, stamme die Brennanlage, geschätzt an der Form des Auslaufs. Alle zehn Jahre müsse der Ofen angeheizt werden, damit die Brennlizenz nicht erlösche, so Weber.
 

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Bild: Das Ergebnis stimmte, auch wenn die alte Brennanlage die Brenn-
meister vor höchste Anforderungen stellte. Foto: Judith Blüther

Germann Hennrich, Brennmeister vom Assulzerhof, freute sich, an einer solchen Anlage wieder "lernen" zu dürfen, wie es früher einmal war. Zunächst musste der Holzbottich, durch den die Ablaufrohre führen, langsam geflutet werden, um die alte Dichte wiederzuerlangen. Dann folgte das Abdichten der Brennblase am oberen Teil des Ofens mit Lehm. Eine Arbeit, auf die sich die drei Brennmeister Hennrich, Ernst Bulling und Werner Mathes besonders gefreut hatten.  Lehm hat keinen eigenen Geschmack und verfälscht somit den späteren Brand nicht, so Hennrich.
Zuvor wurde natürlich die Maische eingefüllt. Dann der Ofen mit Holz befeuert und die Brennblase immer wieder mit einem feuchten Tuch heruntergekühlt. "Heute sind die Brennblasen von Wasser umgeben", so der Brenner, da habe man keine Probleme mit  der Temperierung. Wird der Ofen, bzw. die Blase zu heiß, so bekomme man Probleme bei der sauberen Trennung vom giftigen Vorlauf und dem eigentlichen Branntwein, dem Mittellauf.
Diese allerdings hatte man beim samstäglichen Brennen nicht. Der Vorlauf war klar zu erkennen, der eigentliche Brand verströmte den fruchtigen Birnenduft und war klar zu trennen.

 

 

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